Am 30. Juni ist internationaler Inkontinenztag. Blasenschwäche ist ein Thema, das
mit viel Scham behaftet ist. Betroffenen kann im Gesundheitszentrum Bitterfeld/
Wolfen geholfen werden.

Ein Hustenanfall, schnelles Rennen, Niesen oder Lachen können für viele Frauen für unangenehme Nebenerscheinungen sorgen. Denn mit entstehendem Druck im Bauchraum löst sich die Spannung ihrer Harnröhre, wodurch geringe Mengen Urin unkontrolliert entweichen
können. Ein unangenehmes, lästiges und vor allem schamvolles Erlebnis. „In Deutschland“, verdeutlicht Dr. Francis Nauck, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Gesundheitszentrum Bitterfeld/Wolfen, „gibt es etwa zehn Millionen Menschen, deren Blasenfunktion gestört ist, wobei Frauen stärker betroffen sind als Männer.“

Unterschiedliche Formen

Die Medizin unterscheidet zwei wesentliche Formen der Blasenschwäche. Zum einen die Belastungsinkontinenz, hinter der oft eine Schwächung des Beckenbodens steckt. Ursachen sind zum Beispiel Schwangerschaften oder auch die hormonellen Veränderungen, die mit den Wechseljahren einhergehen. Ein geschwächter Beckenboden führt dazu, dass der Blasenschließmuskel nicht mehr ausreichend gestützt wird. Die Belastungsinkontinenz tritt bei Anspannung des Bauchraumes ein und verursacht einen tröpfchen- oder schwallweisen Urinverlust, ohne dass die Betroffene zuvor Harndrang verspürte. Die Dranginkontinenz hingegen ist auf eine nervale Störung der Blase zurückzuführen. Patientinnen verspüren hier schon bei geringer Blasenfüllung einen plötzlich auftretenden Harndrang, den sie nicht steuern können. Dabei entleert sich die Harnblase unter Umständen sogar vollständig. Mitunter gibt es auch eine Mischform aus beiden genannten Inkontinenzformen.

Erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten

Für vierzig Prozent der über 80-jährigen Frauen, sagt Dr. Francis Nauck, gehöre die Blasenschwäche zum Alltag. „Wobei Inkontinenz längst nicht mehr nur ein Altersproblem ist. Zunehmend sehen wir auch jüngere Frauen mit Blasenschwäche“, so der Mediziner. „Trotzdem müssen sich betroffene Frauen nicht mit ihrem Schicksal abgeben“, betont die Gynäkologin Dr. Nadja Anastasiou, Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde am Gesundheitszentrum Bitterfeld/Wolfen. Stattdessen empfiehlt sie den Frauen, sich einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt anzuvertrauen und mit einer gezielten Therapie der Krankheit etwas entgegen zu setzen. Möglichkeiten hierfür gibt es mehrere.

Welche Art von Therapie zur Anwendung kommt, hängt von der Art der und dem Grad der Blasenstörung ab. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von konservativen Methoden, z.B. mit Hilfe von spezieller Beckenbodengymnastik, bis hin zu innovativen Operationsmethoden. „In vielen Fällen kann den Frauen schon mit einer gezielten Gymnastik geholfen und die Inkontinenz gemildert werden“, so die Gynäkologin weiter. Sollten diese Wege jedoch nicht zum Erfolg führen, bieten operative Eingriffe zusätzliche Möglichkeiten, um Linderung oder Besserung zu verschaffen. Eine von ihnen ist die sogenannte „Bändchenoperation“.

Minimalinvasiv, also mittels kleinster Hautschnitte, wird unter die Harnröhre der Frau ein Bändchen gelegt, das bei Anspannung des Bauchraumes die Harnröhre stützt und damit das Austreten von Urin verhindert. Botox-Injektionen in die Blasenwand, Blasenschrittmacher oder auch das Einsetzen eines Netzes sind weitere Mittel, die sich operativ umsetzen lassen und die in den meisten Fällen zu einer schnellen Linderung der Inkontinenz führen.