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Schreisprechstunde im Gesundheitszentrum Bitterfeld/Wolfen

Das Baby wurde gerade frisch gewickelt. Die letzte Mahlzeit bekam es gerade erst, aber trotzdem kommt das Kind nicht zur Ruhe. Kuscheleinheiten, Herumtragen, Spazierenfahren und verschiedene andere Beruhigungsmaßnahmen werden von den Eltern versucht, aber nichts scheint zu helfen. Das Baby schreit oder quengelt ohne ersichtlichen Grund stundenlang, zu fast jeder Tages- und Nachtzeit. Die Eltern fühlen sich zunehmend hilflos, verzweifelt und erschöpft nach vielen schlaflosen Nächten. Claudia Kynast erlebte das mit ihrem kleinen Clint. Sie erhielt ständig gut gemeinte Ratschläge, was sie aber nur noch mehr unter Druck setzte. „Clint war ein Schreibaby und wir haben lange nach der Ursache gesucht“, erzählt die 31-jährige Büroangestellte. Unterstützung fand sie schließlich in der Schreisprechstunde bei Maren Hainke im Gesundheitszentrum Bitterfeld/Wolfen.

„Schlafen war Mangelware.“

Der erste Geburtstag von Clint liegt erst wenige Monate zurück. Am 7. Februar 2018 kam er im Bitterfelder Klinikum zur Welt. „Die Geburt verlief nicht ganz einfach. Dass Clint dann aber so viel weinte und kaum zu beruhigen war, bereitete meinem Mann und mir schon Sorgen. Unsere Nerven lagen blank und Schlafen war für uns lange Zeit Mangelware“, erinnert sich die junge Mutter. Anfangs wurden bei Clint die häufig auftretenden DreiMonats-Koliken als Auslöser vermutet. Auch Osteopathie und Ernährungsumstellung probierten die Eltern aus. Organische Ursachen konnten ärztlich ebenfalls ausgeschlossen werden. Allerdings war es der betreuende Kinderarzt Dr. med. Thomas Beier, der den Tipp zum Besuch der Schreisprechstunde im Gesundheitszentrum gab. So kam Claudia Kynast zu Maren Hainke und zuerst stand die Frage im Raum: Was mache ich bei meinem Kind falsch? Das ist wohl der häufigste Gedanke, den junge Mütter beim Umgang mit ihrem Schreibaby haben.

 

Kleine Ursachen, große Wirkung

Aus ihrer Erfahrung weiß Maren Hainke: „Eltern machen nichts falsch. Oft kann es ein kleiner Fehler im System sein, den man gemeinsam finden und umstellen muss. Ein breitgefächertes Spektrum der Möglichkeiten kann hier vom falschen Beruhigungssauger bis hin zur Milchunverträglichkeit reichen.“ Maren Hainke arbeitet seit knapp zwei Jahren in der Bitterfelder Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Als Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin – kurz FGKiKP – sowie als Still- und Laktationsberaterin steht sie den jungen Müttern mit einem breiten Leistungsspektrum zur Seite. Neben der Stillberatung gehört die Schreisprechstunde zu den gut frequentierten Angeboten.

„Ich möchte Eltern ermutigen, sich frühzeitig an mich zu wenden. Ich nehme mir die Zeit, mit den Eltern in einem ausführlichen Erstgespräch und schaue gemeinsam mit ihnen, wie sie die Signale ihres Babys richtig deuten und darauf eingehen können. In der Regel beginnt die Schreisprechstunde mit Zuhören, ernst nehmen und Druck rausnehmen“, sagt Maren Hainke. Auch bei Clint stellte sich heraus, dass er fast alle zwei Stunden schrie. Seine Mutter berichtete zudem, dass es ab dem vierten Lebensmonat kurzzeitig besser wurde, die Schreiphasen aber um den sechsten Lebensmonat erneut begannen. In der Schreisprechstunde wurde dann relativ schnell klar, was Clint benötigte und brauchte. Seither schlief Clint nachts besser und die Schreiattacken hörten endlich auf.

Bei ihrem letzten Termin werten Claudia Kynast und Maren Hainke die Entwicklung der letzten Wochen aus. Die junge Mutter verabschiedete sich mit großer Dankbarkeit aus der Schreisprechstunde. „Die Eltern sind sehr dankbar für jede Hilfestellung in einer Lebensphase, in der sie durch ihr Schreibaby an psychische und physische Belastungsgrenzen kommen. Dann einen Ansprechpartner zu finden, der zuhört, sie ernst und annimmt und mit ihnen gemeinsam nach Ursachen forscht, wissen die Betroffenen unendlich zu schätzen“, sagt Maren Hainke. Die berufserfahrene Fachschwester ist selbst Mutter von zwei Söhnen und erlebte das Schreibabyphänomen beim eigenen Kind. Vielleicht entstand daraus auch der erste Impuls für die Schreisprechstunde. Mit diesem noch jungen Angebot im Gesundheitszentrum Bitterfeld/Wolfen konnte sie schon mehreren Müttern helfen. Sie hofft, dass die Schreisprechstunde zukünftig eine Kassenleistung wird. Bisher schultert das Klinikum die Kosten aus eigenen Mitteln, was positiv für die jungen Eltern ist, aber auf Dauer schwer finanzierbar sein wird.

Telefon Schreisprechstunde: 03493 31-2416

 

Bildunterschrift:
Aufgeweckter Junge: Für den kleinen Clint Zieger gibt es immer etwas zu entdecken. Dass der Einjährige mal ein Schreibaby war, mag man kaum glauben. Seine Mutter Claudia Kynast spürte gemeinsam mit Maren Hainke in der Schreisprechstunde die Ursache auf. Foto: GZBIWO